Herstellungsverfahren


Der Guss:

Erfolgt in unterschiedlichen Verfahren, je nach Größe und Form.
Die Techniken gehen auf eine jahrtausende alte Tradition zurück.
Bis aus dem Modell ein fertiges Kunstwerk entsteht, können bis zu 20 verschiedene Arbeitsgänge nötig sein!


Wachsausschmelz-Verfahren im Gips-Schamotteguss:

Zunächst muß eine Gussform für den Wachs-Ausschmelzguss erstellt werden. Für jeden einzelnen Guss ist ein Wachspositiv des Objekts notwendig. Es muß eine flexible Negativform erstellt werden, um dieses positive Wachsmodell zu gewinnen, welches dem Originalmodell genau entspricht und später ausgeschmolzen werden kann.
Das Originalmodell wird dazu jeweils zu einer Hälfte mit Tonplatten belegt, welche dann mit Gips überzogen werden.Die Tonschicht wird entfernt, wenn die sogennanten Gipsstützschalen getrocknet sind. Beide Schalen werden wieder um das Modell gelegt. Im Anschluß daran wird in die jeweilige Hohlraumhälfte zwischen Originalmodell und Gips flüssige Gelatine oder Silikon gegossen. Nach dem Entnehmen des Originalmodells ist die originalgetreue Negativform fertig für die Erstellung des Wachspositivs.
Um das Wachspositiv zu erstellen, fügt man beide Form-Hälften der Negativ-Form zusammen und gießt sie  mit heißem Wachs aus. Nach einigen Minuten des Abkühlens entsteht eine feste Wachsschicht.
Das überschüssige Wachs wird ausgegossen, so daß ein hohles Wachsmodell herauskommt. Dieser „Wachsrohling“ wird mit einem Gips- Schamottekern gefüllt, danach vom Künstler nochmals retuschiert und anschließend mit Gusskanälen und Steiger versehen. Das Ganze wird mit Gips- Schamotte umhüllt, wodurch die für den Guss notwendige Schamotteform entsteht. Diese wird im Brennofen 3- 4 Tage bei über 750 ° C ausgebrannt, bis das Wachs ausgeschmolzen und die Schamotteform mit ihren Hohlräumen vollständig getrocknet und gebrannt ist. In diese Hohlräume wird im nächsten Arbeitsschritt die im Tiegelofen auf ca. 1.250 ° C erhitzte, von Schlacke befreite flüssige Bronze in die ausgebrannte Form gegossen. Bei besonderen Anforderungen an das zu gießende Teil findet das keramische Verfahren Anwendung: Hierbei wird die Gussform nicht aus Gips-Schamotte, sondern aus keramischer Masse erstellt. Das aus der flexiblen Negativform hergestellte hohle Wachsmodell wird mit Gusskanälen und Steiger versehen und je nach Größe vier- bis sechsmal in keramische Masse getaucht und getrocknet. Die dabei entstehende Schale von 6- 10 mm wird im Brennofen bei 800 °C  gebrannt.  Das Wachs schmilzt hierbei aus und die Schale erreicht die nötige Härte, um das flüssige Metall aufzunehmen.  Je nach angewendetem Verfahren wird nach dem Erkalten die Keramikschale oder die Schamottform zerschlagen, um das gegossene Kunstwerk frei zu legen.


Der Sandguss:

Der Sandguss ist eine bewährte Technik für Reliefs, Schrifttafeln, Wappen und Kleinskulpturen. Der hierfür eingesetzte Formsand hat eine besondere Konsistenz;seine Feinheit ermöglicht eine detailgetreue Wiedergabe des abzuformenden Modells. Das Modell des Künstlers aus festem Material wie  Wachs, Plastilin, Gips oder Holz wird formgerecht zerlegt, bevor es der Kunstformer in zwei- oder mehrteiligen Formkästen in den Sand einformt. Besitzt das Modell die zur Ausformung benötigte Formschräge, genügt meist eine Sandform.  Bei zu gießenden Teilen mit Hinterschneidungen muß eine mehrteilige Sandform erstellt werden, um das Modell wieder aus der Form entnehmen zu können. Anschließend wird in diese Sandformen mit der Negativdarstellung das Anschnittsystem mit den notwendigen Zuläufen, Eingußtrichtern und Entlüftungskanälen geschnitten. Danach werden die Formkästen fest zusammen geklammert und die flüssige Bronze eingegossen. Nach dem Erkalten wird die Form zerschlagen, das gegossene Werk entnommen und dem Ziseleur zur Weiterbearbeitung übergeben.  Nach dem Gießen wird in der Ziselierwerkstatt der Rohling so weiter bearbeitet, bis die Vorstellung des Künstlers exakt umgesetzt ist.Oft entscheidet der Künstler persönlich, wie seine Skulptur durch die Oberflächenbearbeitung zu ihrem eigentlichen Glanz und Leben kommen soll. Wenn der Ziseleur Einguß- u. Abluftkanäle abgetrennt hat, geht er mit großer Sorgfalt daran, die Oberflächen mit Ziseliereisen (Punzen) oder Meißel, mit Feile, Schaber, Schleif- u. Polierwerkzeugen nachzuarbeiten. Gesichter, Muskeln, und Ornamente werden in konzentrierter Teilarbeit heraus gearbeitet, Nuancen hervor gehoben und die Besonderheiten des Objekts betont.


Lebendige Patina: 

Der letzte Schritt zur Fertigstellung ist das Patinieren. Bronze verändert sich im Lauf der Zeit. Der Patineur nimmt den natürliche Vorgang der Oxidation vorweg. Hierfür kommen unterschiedliche Patinierlösungen zum Einsatz, die nach alten überlieferten Rezepturen hergestellt werden. Die Bronze wird zunächst für einen genau festgelegten Zeitraum in ein Patinabad getaucht, um dann in Handarbeit weitere Patinierlösungen aufzutragen und mit der Gasflamme einzubrennen. So lassen sich ganz besondere Farbnuancen und Schatterierungen erzielen. Der Charakter und die Ausstrahlung des Bronzeobjekts werden intensiviert. Zum Abschluß wird die patinierte Oberfläche versiegelt.

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